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Die Kunst der Glasperlen
In den letzten Jahren sind wir immer wieder auf die punischen Glasperlen (Punier war der römische Name für Karthager oder Phoenizier genannt) gestoßen – sei es in Museen in Italien, Frankreich oder zuletzt im Museum von Manacor auf Mallorca.
Glasperlenschmuck gehört zu den ältesten bekannten Schmuckformen der Menschheitsgeschichte. Schon in der Bronzezeit, etwa ab 1500 v. Chr., wurden erste Glasperlen hergestellt. Die Technik verbreitete sich über den gesamten Mittelmeerraum und erreichte in der Antike eine bemerkenswerte Perfektion.
Glasperlen dienten nicht nur als Zierde, sondern hatten oft auch eine symbolische oder sogar religiöse Bedeutung. In vielen Kulturen wurden sie als Handelsware, Glücksbringer oder Grabbeigaben genutzt.
Die Herstellung von Glasperlen erfolgte durch das Erhitzen von Glasrohstoffen, oft unter Zugabe von Metalloxiden, um verschiedene Farben zu erzeugen. Anschließend wurde das geschmolzene Glas um einen Dorn gewickelt und geformt. Diese Technik ermöglichte eine Vielzahl von Designs, von schlichten einfarbigen Perlen bis zu Augenperlen oder gar aufwendig gestalteten Anhängern in Form von menschlichen oder tierischen Köpfen.
Seit 2020 ist diese Glasperlenkunst Unesco Weltkulturerbe.
Funde aus der Antike
Museale Funde belegen, dass Glasperlen in der gesamten antiken Welt geschätzt wurden. Besonders beeindruckende Beispiele stammen aus Ägypten, Rom und den keltischen Siedlungen Europas.
Die Funde im Museum von Manacor stammen von der Insel und zeigen dass Mallorca zu diesen frühen Zeiten bereits Handelsbeziehungen zu anderen Völkern pflegten. Auch in der Nekropole von Son Real wurden Glasperlenketten gefunden. Das punische Handelsnetzwerk war damals schon sehr weitreichend.
Besonders eindrucksvoll zeigen z.B. dieser Anhänger aus dem British Museum (London / England), diese Perlensammlung aus einer Aktion bei Christie’s oder diese Kette aus dem National Archaeological Museum (Cagliari / Italien) die hohe Kunst der damaligen Zeit.
Ein besonders interessanter Aspekt sind Glasanhänger in Form von menschlichen Köpfen. Diese figürlichen Glasperlen wurden bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. gefertigt. Sie haben detaillierte Zügen und farblich abgesetzten Augen, Bart und Haare. Solche Perlen dienten vermutlich als Amulette oder waren bestimmten Gottheiten gewidmet.
Besuch in Manuels Werkstatt
Bei unserer Recherche zu einem frührömischen Projekt sind wir auf Manuel gestoßen, einen der wenigen Menschen weltweit, die heute noch antike Glasperlen nach historischen Vorbildern herstellen. Ein glücklicher Zufall war, dass er nur wenige Kilometer von unserem aktuellen Aufenthaltsort auf Mallorca entfernt lebt. Ihr findet ihn und seine Arbeit auf Facebook: Balearicus Nura Mayurga und Instagram: Vidriofenicio
Als wir Manuel besuchten hat er uns herzlich eingeladen, ihm über die Schulter zu schauen. Wir verbrachten einen unglaublich schönen und interessanten Tag bei ihm und bekamen einen tiefen Einblick in sein Handwerk. Er zeigte uns, wie er mit viel Geduld und Präzision aus geschmolzenem Glas kunstvolle Perlen entstehen lässt und an welchen Werken er zur Zeit arbeitet.